Wissenswertes zur Ehemaligen Universitätsbibliothek Helmstedt
Die Ehemalige Universitätsbibliothek Helmstedt ist die einzige noch heute bestehende Einrichtung der 1810 aufgelösten Universität Helmstedt, der Academia Julia Carolina zu Helmstedt in Niedersachsen. 1576 durch Herzog Julius von Braunschweig-Wolfenbüttel gegründet, war sie zeitweilig die drittgrößte Universität des deutschen Sprachraums. Im damaligen Distrikt Helmstedt als Teil des napoleonisch kontrollierten Königreiches Westphalen gelegen, wurde die Academia Julia Carolina von Jerome Bonaparte mit dem Ende des Wintersemesters 1809/1810 geschlossen. 1
Mehr als 2 Jahrhunderte nach der Schließung der Helmstedter protestantischen Universität ist das damalige akademische Wissen renommierter Gelehrter auch heute noch national und international gefragt.
Wechselnde Ausstellungen ausgewählter Exponate, Vorträge, Führungen ermuntern zahlreiche Besucherinnen und Besucher aus dem In- und Ausland zum Nachdenken über historisch gewachsenes Wissen.
Bücher auf Wanderschaft
Bestandsgeschichte der Ehemaligen Universitätsbibliothek Helmstedt 1 2 3
Bei der Verlegung des 1570 in Gandersheim gegründeten Pädagogiums, des Vorläufers der Universität, nach Helmstedt im Jahre 1574 wird die Bibliothek zum ersten Mal erwähnt. Im Grauen Hof, dem umgebauten Stadthof des Zisterzienserklosters Mariental in Helmstedt, fanden Fürstliche Juliusschule und Bibliothek eine neue Unterkunft. Als man nach Erteilung kaiserlicher Privilegien 1575 die Schule 1576 zur Universität erhob, war der Buchbestand sehr klein.
Der Gründer der Universität, Herzog Julius von Braunschweig-Lüneburg (1528-1589), ernannte wenige Wochen vor seinem Tode 1589 den ersten Universitätsbibliothekar und erteilte die Anordnung, dass von allen in Helmstedt gedruckten Büchern ein Exemplar an die Universitätsbibliothek abzuführen sei, vermehrte aber sonst die Bibliothek nicht.
Sein Sohn und Nachfolger, Herzog Heinrich Julius (1564-1613), der selbst in Helmstedt studiert hatte, ließ in den Jahren 1592 bis 1597 von Paul Francke (1537-1615) das neue Universitätsgebäude errichten. Er benannte es nach seinem Vater Juleum. Hier bezog die Universitätsbibliothek den großen Raum neben der Aula.
Der erste bedeutende Zuwachs entstand 1597 durch den Erwerb von 165 Hss. und 717 Drucken der Büchersammlung des Matthias Flacius Illyricus (1520-1575).
Vor seinem Tode vermachte der Helmstedter Professor Johannes Caselius 1613 seine Bibliothek der Universität. Sie umfasste 300 Bände und wurde 1619 der Universitätsbibliothek einverleibt. In den Differenzen zwischen den strengen Lutheranern und den Philippisten, den Anhängern Melanchthons, beförderte Caselius in Helmstedt die Wende vom Luthertum zum Philippismus.
1614 entschloss sich Herzog Friedrich Ulrich die Bibliotheken seiner Vorfahren der Universität Helmstedt zur Verfügung zu stellen. Unter den Beständen, die im Oktober 1618 in Helmstedt eintrafen, befanden sich wertvolle Drucke und auch die Bibliotheken folgender säkularisierter Klöster: des Zisterzienser-Nonnenklosters Wöltingerode (Goslar), des Augustiner-Nonnenklosters Steterburg, des Augustiner-Kanonissenstiftes Dorstadt, des Augustinerinnenklosters Heiningen, des Augustiner-Chorfrauenstifts St. Marienberg (Helmstedt), des Zisterzienserklosters Amelungsborn, des Benediktinerklosters Lamspringe, des Augustinerstifts Georgenberg (Goslar) und des dem Heiligen Bonifatius geweihten Klosters Brunshausen.
Im Dezember 1625 wurde die inzwischen bedeutende Universitätsbibliothek ins Blasius-Stift nach Braunschweig ausgelagert, um sie vor Kriegseinwirkungen zu schützen.
Mit der Privatbibliothek des aus Schweden stammenden Helmstedter Professors Nikolaus Andreas Granius (1569-1631) erhielt die Universitätsbibliothek einen weiteren Zuwachs, der allerdings erst 1655 in die Bibliothek integriert wurde.
Die zweite umfangreiche Erweiterung der Universitätsbibliothek erfolgte im Jahre 1702. Prof. Hermann von der Hardt (1660-1746), der vor seiner Helmstedter Tätigkeit die Privatbibliotheken des Herzogs Rudolf August (1627-1704) in Braunschweig und Hedwigsburg verwaltet hatte, gelang es, den Herzog zur Schenkung seiner Bibliotheken zu veranlassen. Da man sie im Bibliotheksraum neben der Aula nicht mehr unterbringen konnte, stellte man sie in der südlichen Hälfte des östlichen Collegiengebäudes auf.
Die der Bibliothek zur Verfügung stehenden Räume im Hauptgebäude des Juleums und im östlichen Collegienflügel reichten für die ordnungsgemäße Aufstellung der Bibliothek nicht mehr aus. Man plante, die beiden Hörsäle im ersten Stock des Juleums in einen Bibliothekssaal umzuwandeln, zumal die Professoren nach wie vor ihre Vorlesungen in den eigenen Häusern abhielten.
1762 zog die Universitätsbibliothek in den für sie umgebauten Saal ein, so dass eine geordnete systematische Aufstellung der Bücher erfolgen konnte.
Nach Auflösung des Benediktinerklosters St. Ludgeri in Helmstedt schenkte Herzog Carl Wilhelm Ferdinand (1735-1806) 1803 diese Klosterbibliothek der Universität. 1807 gelangte auch die Bibliothek des Zisterzienserklosters Michaelstein nach Helmstedt.
Der letzte Rektor der Universität, Herzog Carl Wilhelm Ferdinand, wurde als Heerführer der preußischen Armee 1806 von den Franzosen bei Jena und Auerstedt geschlagen. Die Franzosen besetzten das Land und gründeten im Frieden zu Tilsit 1807 das Königreich Westfalen, das Napoleon seinem Bruder Jérôme unterstellte. So kam auch Helmstedt unter die westfälische Regierung in Kassel. Der Universität gelang es zwar, sich noch einige Zeit zu halten, doch wurde sie schließlich am Ende des Wintersemesters 1809/10 von den Franzosen aufgelöst.
Die rechtlich aufgelöste Universität Helmstedt wurde mit den weiterbestehenden Universitäten Marburg, Göttingen und Halle vereinigt. Daraus erwuchs das Recht, auf Helmstedter Besitz zurückzugreifen. Davon betroffen war vor allem die Universitätsbibliothek. Eine große Anzahl von Büchern musste nach Göttingen abgegeben werden. Die Rede ist von 25.000 Titeln Auch die Universitäten von Marburg und Halle erhielten eine kleinere Anzahl von Büchern. Entsprechend den Vereinbarungen des Wiener Kongresses kamen diese Bände 1815 wieder zurück – nicht in die Ehemalige Universitätsbibliothek Helmstedt sondern in die Herzogliche Bibliothek zu Wolfenbüttel.
Die Helmstedter Akademische Lesegesellschaft, die die Auflösung der Universität noch um einige Zeit überlebte, vermachte ihre aus Privatgeldern aufgebaute Bibliothek der Universitätsbibliothek, um sie in Helmstedt benutzen zu können.
Im Jahre 1829 musste die ehemalige Universitätsbibliothek die meisten medizinischen Werke an das anatomisch-chirurgische Institut in Braunschweig abgeben.
Die folgenden Jahre waren geprägt von wiederholten Versuchen der Wolfenbütteler Bibliothek, den Bestand der ehemaligen Helmstedter Universitätsbibliothek in ihre Sammlungen zu überführen.
Gleichwohl gelangten einige Nachlassbibliotheken Helmstedter Honoratioren in die Helmstedter Bibliothek, so die Sammlung des Helmstedter Generalsuperintendenten August Hermann Theodor Kuhn (1811-1894) und des Oberamtsrichters Franz Kruse (1848-1912).
Im April 1913 wurden auf Betreiben des damaligen Direktors der Wolfenbütteler Bibliothek, Prof. Gustav Milchsack (1850-1919), mehr als zwei Drittel des noch in Helmstedt vorhandenen Bestandes nach Wolfenbüttel überführt.
So verblieb ein Anteil von ca. 13.000 Titeln des ehemaligen Altbestandes in der Ehemaligen Universitätsbibliothek in Helmstedt.
Nach dem Ersten Weltkrieg setzte sich der 1911 gegründete Helmstedter Universitätsbund für die Neuordnung und Neukatalogisierung des in Helmstedt verbliebenen Bestandes ein. 1940 kam die ehemalige Universitätsbibliothek in den Besitz des Kreisgemeindeverbandes (heute: Landkreises) Helmstedt.
Die enge Zusammenarbeit mit der Göttinger Universitätsbibliothek führte 1959 dazu, dass die ehemalige Universitätsbibliothek Helmstedt vom Niedersächsischen Kultusministerium zum Leihverkehr der deutschen Bibliotheken zugelassen wurde.
„Im Jahr 2015 erfolgte die Einrichtung eines Onlinekataloges für die im Juleum Helmstedt aufbewahrten Bestände der Ehemaligen Universitätsbibliothek. In diesem Katalog ist es möglich, nach bereits erschlossenen Bänden und deren Provenienzen zu recherchieren. Damit eröffnet sich die regionale und überregionale Sichtbarkeit … dieser besonderen Bibliothek … außerdem wurde ein weiteres großes Ziel erreicht: Die Möglichkeit der virtuellen Rekonstruktion dieser zwar geteilten aber auf wundersame Weise nahezu vollständig erhaltenen (Helmstedter) Bibliothek.“ (K.Hannighofer, S. 182 f)
Bestand der Ehemaligen Universitätsbibliothek Helmstedt 1 2 3 4
Bestandsbeschreibung - Chronologische Übersicht
Bei einem Gesamtbestand von ca. 35.000 Titeln beträgt der historische Bestand einschließlich der Sondersammlungen ca. 13.000 Titel.
Von den ca. 12.000 Titeln des 15. bis 18. Jahrhunderts entfallen 5880 Titel (49 Prozent) auf die lateinische Sprache, 5160 (43 Prozent) auf die deutsche, 840 (7 Prozent) auf die französische und 120 (ein Prozent) auf alle übrigen Sprachen. Bei den ca. 1000 Titeln des 19. Jahrhunderts überwiegt die deutsche Sprache.
Die Beschreibung berücksichtigt Titel des 15. bis 18. Jhs. Da nach Schließung der Universität im Jahre 1810 die Bibliothek nicht weiter ausgebaut wurde, finden sich im alten Universitätsbestand Titel des 19. Jahrhunderts nur in geringer Anzahl. Sie gehören fast ausschließlich in die Nachlassbibliotheken.
Von den 22 Bibeln (Signatur A) verdienen zwei lateinische, 1491 und 1495 bei Froben in Basel gedruckt (GW 4269, GW 4275), besondere Erwähnung. Auch eine zweisprachige zehnbändige Biblia Germanico-latina (Wittenberg: Johann Schwertel 1565), aus dem Besitz des Herzogs Julius von Braunschweig-Lüneburg , die überwiegend Bücher des Alten Testaments enthält, ist nicht zuletzt wegen ihres mit Leder überzogenen und mit herzoglichem Wappen blindgepressten Einbandes bemerkenswert.
An deutschsprachigen Bibeln liegt eine Leyen-Bibel (Straßburg: Rihel 1542) vor. Dieser Bestand wird ergänzt durch 370 Bibelkommentare (B). Unter den ebenfalls 370 Titeln der Gruppe Commentatores und Exegeten (C) finden sich außer Schriften Luthers auch Werke namhafter Theologen des 16. und 17. Jhs, z. B. Jacob Andreae, Cornelius Becker, Johannes Bugenhagen, Georg Calixt, Martin Chemnitz, David Chytraeus, Erasmus von Rotterdam, Matthias Flacius Illyricus, Siegfried Saccus, Cyriacus Spangenberg, Philipp Jacob Spener und Michael Walther.
An deutschsprachigen Bibeln liegt eine Leyen-Bibel (Straßburg: Rihel 1542) vor. Dieser Bestand wird ergänzt durch 370 Bibelkommentare (B). Unter den ebenfalls 370 Titeln der Gruppe Commentatores und Exegeten (C) finden sich außer Schriften Luthers auch Werke namhafter Theologen des 16. und 17. Jhs, z. B. Jacob Andreae, Cornelius Becker, Johannes Bugenhagen, Georg Calixt, Martin Chemnitz, David Chytraeus, Erasmus von Rotterdam, Matthias Flacius Illyricus, Siegfried Saccus, Cyriacus Spangenberg, Philipp Jacob Spener und Michael Walther.
Von den 76 Titeln der Abteilung Kirchenväter (D) sind besonders zu nennen Augustinus, De civitate dei (Freiburg: Kilian Fischer 1494) und Gregor I., Moralia Sancti Gregorii (Basel: Nikolaus Keller 1496), ein Prachtband mit farbigen Initialen. Bei den 70 Werken der Abteilung Kirchenlehren des Mittelalters (E) dominiert als Verfasser vor allem Thomas von Aquin. Bemerkenswert ist auch Jacobus de Gruytrode, Lavacrum Conscientiae omnium sacerdotum (Leipzig: Konrad Kachelofen 1497).
Beachtung in der Abteilung Schriften Luthers (F; 10 Titel) verdienen mehrere Ausgaben seiner Tischreden (Eisleben 1566 u. ö.) und vor allem Wittenberger Drucke seiner Arbeiten aus den Jahren 1520, 1540 und 1545 (z. B. Die Heubtartikel des christlichen Glaubens wider den Babst, Wittenberg 1545) und seine Hauspostille (Wittenberg 1549).
Verschiedene Ausgaben der Tischreden Martin Luthers (Colloquia)
Tischreden Martin Luthers (Colloquia) – Ausgaben 1566, 1569
Wenn sich im Hause Martin Luthers die Familie am Tisch versammelte, um das ziemlich üppige Mahl einzunehmen, gesellten sich Verwandte, Studenten, Freunde und Reisende als Gäste dazu. Luther bestärkte sie, wörtlich mitzuschreiben. Die erste Tischredenausgabe (Colloquia) erschien 1566 im Druck
Von den 301 Titeln des Abschnitts Dogmatik, moralische Exegese (G) sind vor allem 3 Werke von Bedeutung: Melanchthon, Corpus Doctrinae Christianae (Wittenberg 1561), Michael Praetorius, Musae Sioniae (Hamburg 1611) und Cornelius Becker und Heinrich Schütz, Psalter Davids (Dresden 1676). An Verfassern treten auch hier namhafte Theologen des 16. und 17. Jahrhunderts auf. Der Abschnitt Polemik (H) umfasst 312 Titel und überschneidet sich z. T. mit den theologischen Streitschriften (K).
Der Abschnitt Predigten (J) enthält neben 938 allgemeinen Predigten 933 Tauf-, Leichen- und Hochzeitspredigten vor allem für fürstliche Personen. Bemerkenswert sind eine hier eingeordnete Confessio Augustana (Wittenberg 1530), die Leichenpredigt für Luther von Justus Jonas und Michael Celius, Vom Christlichen abschied aus diesem tödlichen leben des Ehrwirdigen Herrn D. Martini Lutheri (Wittenberg 1546) sowie die Leichenpredigt für Melanchthon, Eine klag und trostschrifft von dem Christlichen abschied und Begrebnis ... Philippi Melanthonis [sic] (Nürnberg 1560). An Katechismen liegt Johann Tettelbachs d. Ä. niederdeutscher Katechismus Dat Gülden Klenod (Dortmund 1577) vor.
Confessio Augustana auch Augsburger Bekenntnis oder Augsburger Konfession
Sie ist ein grundlegendes Bekenntnis der lutherischen Reichsstände zu ihrem Glauben. Sie wurde am 25. Juni 1530 auf dem Reichstag zu Augsburg Kaiser Karl V. von den Reichsständen der lutherischen Reformation dargelegt. Das Augsburger Bekenntnis war Grundlage des Schmalkaldischen Bundes. Ein am 27. Februar 1531 in Schmalkalden geschlossenes Verteidigungsbündnis protestantischer Fürsten und Städte gegen die Religionspolitik des katholischen Kaisers Karl V. - auch Herzog Philipp von Braunschweig-Grubenhagen und Herzog Ernst von Braunschweig-Lüneburg hatten sich ihm angeschlossen . Der Augsburger Reichs- und Religionsfriede wurde als Reichsgesetz des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation am 25. September 1555 auf dem Reichstag zu Augsburg beschlossen .
Den Anhängern der Confessio Augustana wurden dauerhaft ihre Besitzstände und freie Religionsausübung zugestanden. Mit der Formel Cuius regio, eius religio ermächtigte der Augsburger Religionsfrieden den jeweiligen Landesherrn dazu, die Religion seiner Untertanen zu bestimmen. Das Gesetz ist die erste staatsrechtliche Verfügung in der westlichen Christenheit, die zwei Konfessionen zulässt.
Die Konkordienformel von 1577 wurde von einem Gremium von Theologen verfasst. Sie ist ein Kompromissdokument, das sich bemüht, in der Verantwortung vor der Heiligen Schrift verschiedene Positionen innerhalb des Luthertums zum Ausgleich zu bringen. Sie versteht sich ausdrücklich als „gültige Auslegung der Confessio Augustana auf der Basis der Hl. Schrift“.
Unter den Verfassern von 257 theologischen Streitschriften (K) sind nennenswert Jacob Andreae, David Chytraeus, Matthias Flacius Illyricus, Tilemann Heßhusius, Melanchthon, Cyriacus Spangenberg, Johann von Staupitz und Justus Jonas. Als typisch für den Streit mit den Helmstedter Theologen sei genannt Johann Hülsemann, Calixtinischer Gewissenswurm (Leipzig 1653).
Die Abteilung Jurisprudenz (L) gehört mit ihren 1160 Titeln auch heute noch zu den Schwerpunkten der Bibliothek. Neben einer Ausgabe des Sachsenspiegels (Leipzig 1528) mit den Urteilen des Magdeburger Schöffenstuhls, der Goldenen Bulle, verschiedenen Halsgerichtsordnungen, kaiserlichen Wahlkapitulationen und Reichsabschieden des 16. und 17. Jahrhunderts enthält sie Titel zum allgemeinen Staats-, Kirchen-, Kriegs-, Land-, Lehns-, Natur-, Handels-, Jagd- und Bergrecht sowie zum Recht der Juden und zu verschiedenen Stadtrechten. Besonders hervorzuheben sind ein Briefsteller (Cantzley büechlin, o. O.) aus der Zeit um 1510 und Justinus Gobler, Der Rechten Spiegel (Frankfurt 1549).
Obwohl der Bestand zur Medizin (M) sehr gelichtet ist, finden sich unter den 82 Titeln noch bedeutende Stücke, von denen vor allem die mit vielen Kupfertafeln versehene Chirurgie Lorenz Heisters (Nürnberg 1724) und die Schriften Linnés und Buffons (Naturgeschichte der Vögel, Berlin 1797, mit handkolorierten Stichen) genannt seien. Hier ist auch Petrus de Crescentiis, Von dem nutz der ding die in äckern gebuwt werden (Straßburg 1518) eingestellt.
Die 127 Titel der Abteilung Classis Mathematica (N) umfassen außer der Mathematik die Bereiche Physik, Astronomie, Astrologie, Architektur und Musik. Bemerkenswert ist hier Johann Friedrich Pfaff, Disquisitiones analyticae (Helmstedt 1797). Pfaff (1765-1825) war der Doktorvater von Gauß. Die Bibliothek besitzt auch eines der frühesten Werke der Markscheidekunst von Erasmus Reinhold, Vom Marscheiden [sic] kurtzer und gründlicher unterricht (Erfurt 1574), außerdem seine Schrift Gründlicher und warer Bericht vom Feldmessen ( o. O. 1574).
Bei den 214 Titeln des Bereiches Philosophie (O) sind besonders Schriften zur Ethik, Logik, Moral, Metaphysik, Dialektik, Rhetorik, Psychologie, Politik, Ökonomie sowie zu Kunst und Handwerk vertreten. Hier sind zu nennen Erasmus, Lingua. Opus novum, e hisce temporibus aptissimum (Basel 1525), Melanchthon, Commentarius de Anima (Wittenberg 1540), Thomas Hobbes, Leviathan (Amsterdam 1670) und Leibniz, Opera omnia, nunc primum collecta (Genf 1768).
Dabei gibt es einzelne Überschneidungen mit den 466 Titeln der Philologie (P). Hier sind als Schwerpunkte Orthographie, Grammatik, Etymologie, Poesie, Mythologie, Rhetorik, Kalligraphie, Literaturgeschichte, Schriften griechischer und römischer Dichter und Sprichwortsammlungen zu nennen. Hervorzuheben sind Melanchthon, Grammatica ... recognita et locupleta (Leipzig um 1550), Hermann Conring, Epistolae hactenus sparsim editae (Helmstedt 1666) und Johann Christoph Adelung, Versuch eines vollständigen grammatisch-kritischen Wörterbuches der Hochdeutschen Mundart (Leipzig 1774-1786).
Philipp Melanchthon – Reformator und Lehrer Deutschlands
Als enger Freund Luthers wirkte er mit bei der Bibelübersetzung. 1529 wurde er Verhandlungsführer der Reformation auf dem Reichstag zu Speyer. Die klassisch-humanistische Bildung für evangelische Theologen war für ihn wesentlich. Er verfasste auch Lehrbücher für unterschiedliche Fächer (Rhetorik, Ethik, Physik, Geschichte, Geografie, Astrologie). Sie wurden in Verbindung mit seinen Grammatiken für den Latein- und Griechisch Unterricht an deutschen Schulen verbindlicher Unterrichtsstoff.
Die 328 Werke zur Literärgeschichte (Q) enthalten Titel aus den Bereichen Buch- und Bibliothekswesen, allgemeine Wissenschafts- und Kulturgeschichte, Universitätsgeschichte, Gelehrtenbiographien, Lexika, Literatur- und bibliographische Zeitschriften. Neben Friedrich Nicolai, Allgemeine Deutsche Bibliothek und der nachfolgenden Neuen Allgemeinen Deutschen Bibliothek (1765-1804) sowie Paul Freher, Theatrum virorum eruditione clarorum (Nürnberg 1688) sind die Nachschlagewerke von Hamberger-Meusel, Jöcher und Zedler zu nennen.
Zur Kirchengeschichte (S), die 278 Titel umfasst, finden sich Werke aller namhafter Theologen des 16. und 17. Jahrhunderts, insbesondere des Matthias Flacius Illyricus, Ecclesiastica Historia ... secundum singulas Centurias [i. e. der Magdeburger Centurien] (Basel 1560-1574). An Werken zur regionalen Kirchengeschichte seien erwähnt Heinrich Meibom, Chronicon Riddagshusense (Helmstedt: Jacob Lucius 1605), sein Chronicon Marienthalense (Helmstedt: H. Müller 1651) und Johann Georg Leuckfeld, Antiquitates Michaelsteinenses & Amelunxbornenses (Wolfenbüttel 1710).
Mit 2037 Titeln (T) ist die Abteilung Geschichte die umfangreichste. Sie enthält die Bereiche Kosmographie, Weltgeschichte, Geographie, Geschichte des Altertums, Numismatik, Genealogie, Heraldik, Staatengeschichte und die Geschichte einzelner Städte. Neben den Kosmographien von Apianus und Münster (Basel 1578) sind besonders Das erneuerte und vermehrte Teutsche Wappenbuch [eine Überarbeitung einer Siebmacher-Ausgabe] (Nürnberg 1666) und Heinrich Meibom, Rerum Germanicarum tomi III (Helmstedt 1688) bemerkenswert. Zu nennen sind ferner Sebastian Münster, Cosmographey oder Beschreibung aller Länder ... bis auf das 1578. Jahr gemehret (Basel 1578), Henricus Bünting, Itinerarium Sacrae Scripturae, d. i. Ein Reisebuch über die ganze heilige Schrift (Helmstedt: Jacob Lucius 1582), Reiner Reineccius, Historia Julia, sive Syntagma heroicum (Helmstedt: Jacob Lucius 1582) und Matthaeus Merian, Theatrum Europaeum (Teile 2-6, Frankfurt 1644-1652).
Sondersammlungen
Die Bibliothek der Helmstedter akademischen Lesegesellschaft besteht aus Zeitschriften und kleineren Monographien, vorwiegend aus den letzten Jahrzehnten des 18. Jhs, und enthält 1150 Titel. Sie ist systematisch in 6 Abteilungen (LG-A bis LG-F) gegliedert und birgt auch z. T. seltene Titel wie Degenhard Pott, Pragmatische Geschichte und Aufschluß der Deutschen Union (Leipzig 1798). Am umfangreichsten sind die Abteilungen Geschichte und Politik, Literaturgeschichte sowie gelehrte Zeitungen und Literaturzeitungen. Als typische Titel seien genannt Der teutsche Merkur, hrsg. von Christoph Martin Wieland (Weimar 1773-1786), Thalia, hrsg. von Friedrich Schiller (Leipzig 1787) und Der Freimüthige oder Ernst und Scherz. Ein Unterhaltungsblatt, hrsg. von August von Kotzebue und Garlieb Helwig Merkel (Berlin 1806).
Die Nachlassbibliothek August Hermann Theodor Kuhn (1811-1894, Superintendent) besteht aus 450 vorwiegend theologischen Titeln des 19. Jhs (U). Hier sind besonders zu nennen Gottfried Thomasius, Christi Person und Werk (Erlangen 1853) oder Christian Carl Josias Bunsen, Vollständiges Bibelwerk für die Gemeinde (Leipzig 1858-1865).
Die kleine Nachlassbibliothek Franz Kruse (1848-1912, Oberamtsrichter) umfasst ca. 100 Titel (V), vor allem juristische Literatur des 19. Jhs. Bemerkenswert sind hier die Veröffentlichungen aus der Zeit des Königreichs Westfalen (1807-1813), wie z. B. Napoleons Gesetzbuch (Straßburg 1808) oder das Gesetz-Bulletin des Königreichs Westphalen (Kassel 1808-1810).
Kleinere Nachlassbibliotheken von verschiedenen Lehrern, der Lehrerbibliothek des ehemaligen Helmstedter Gymnasiums ,der ehemaligen Lehrerbildungsanstalt in Wolfenbüttel und anderen Personen gelangten im 19. und 20. Jahrhundert in die Bibliothek. Der Bestandsanteil aus dem 19. Jahrhundert ist allerdings sehr gering und umfasst nur wenige Titel, darunter Jahresberichte und die dazugehörigen wissenschaftlichen Beilagen deutscher Gymnasien, darunter auch Gymnasien in den ehemaligen deutschen Ostgebieten ( z. B. Ratibor, Königsberg).
1984 wurde die Autographen- und Büchersammlung von Margarete und Wolfgang Schneider (Apotheker, Chemiker, Pharmaziehistoriker, Schriftsteller und Universitätsprofessor 1912 – 2007) der ehemaligen Universitätsbibliothek Helmstedt übereignet.
1 https://www.helmstedt-wiki.de/wiki/Universität_Helmstedt
2 http://fabian.sub.uni-goettingen.de/fabian?Ehemalige_Universitaetsbibliothek_(Helmstedt)
3 Katja Hannighofer, Die Bearbeitung der im Juleum Helmstedt aufbewahrten Drucke der Ehemaligen Universitätsbibliothek Helmstedt, in: Geschichte und Geschichten- Kreisbuch 2016/17 Landkreis Helmstedt 2016, Seiten 175 ff
4 Wolfgang Pschichholz, 500 Jahre Reformation – Unterwegssein auf neuen Wegen; Beiträge zur Geschichte des Landkreises und der ehemaligen Universität Helmstedt Band 28; Helmstedt 2019
5 Brage bei der Wieden, Was der Herzog erhoffte. Die Gründung der Universität Helmstedt; In: J. Bruning und U. Gleixner, Das Athen der Welfen - Die Reformuniversität Helmstedt 1576-1810, Wolfenbüttel 2010, Seite 44
Wolfgang Pschichholz
Leiter der ehemaligen Universitätsbibliothek
Es bezieht sich auf Motive aus dem Alten Testament (Kampf zwischen Samson und dem Löwen;
Textbezug zum Buch Richter 14,14 ("Süßigkeit vom Starken")
Das Wappen der Universität zeigt Samson, der einem Löwen den Rachen aufreißt. Im Hintergrund erscheinen rechts der Mond und ein Stern, links die Sonne. Die Siegelumschrift bezieht sich auf die Geschichte des biblischen Richters Samson, der gewöhnlich als Typus Christi angesehen wurde: Wie Samson einen irdischen, so habe Christus den höllischen Löwen erlegt. Ein kämpferisches Wappen, das sich gegen die Feinde Gottes richtet und darauf hinweist, dass in der Kraft des Glaubens Wunder gewirkt werden können (Hebr. 11,32) 5 © wpsch130 KB - 818x819
Wenn sich im Hause Martin Luthers die Familie am Tisch versammelte, um das ziemlich üppige Mahl einzunehmen, gesellten sich Verwandte, Studenten, Freunde und Reisende als Gäste dazu. Luther bestärkte sie, wörtlich mitzuschreiben. Die erste Tischredenausgabe (Colloquia) erschien 1566 im Druck © wpsch43 KB - 346x548
Wenn sich im Hause Martin Luthers die Familie am Tisch versammelte, um das ziemlich üppige Mahl einzunehmen, gesellten sich Verwandte, Studenten, Freunde und Reisende als Gäste dazu. Luther bestärkte sie, wörtlich mitzuschreiben. Die erste Tischredenausgabe (Colloquia) erschien 1566 im Druck © wpsch37 KB - 370x462
Wenn sich im Hause Martin Luthers die Familie am Tisch versammelte, um das ziemlich üppige Mahl einzunehmen, gesellten sich Verwandte, Studenten, Freunde und Reisende als Gäste dazu. Luther bestärkte sie, wörtlich mitzuschreiben. Die erste Tischredenausgabe (Colloquia) erschien 1566 im Druck © wpsch89 KB - 704x1173
