So manches Mal sei sie vorbei gefahren, an der Emmerstedter Straße 20 in Helmstedt, gesteht Birgit Arend, die normalerweise im Landratsbüro arbeitet. Der Schichtwechsel bot nun die Gelegenheit, mal anzuhalten und die Arbeit von „die Emmer“ kennenzulernen. Begleitet wurde sie von Ilona Stolpmann, Leiterin des Projekts „Kreisentwicklung“ beim Landkreis.
„Die Geschenkideen, die hier zum Teil selbst entworfen, hergestellt und vor allem so liebevoll verpackt werden, sind einfach toll. Ich hätte nie gedacht, was es hier alles gibt“, so Stolpmann. Beide Frauen zeigen sich begeistert von der Kreativität und dem Angebot im Geschenkeladen und erprobten sich sogleich erfolgreich im Verkaufsgespräch mit Kunden.
Landrat Gerhard Radeck ließ sich zum Schichtwechsel die Arbeit im Obergeschoss erklären und legte gleich Hand an. Hier werden nicht nur kostengünstig alte Ton- und Videoaufnahmen oder Akten professionell digitalisiert, sondern auch kleinere und individuelle Druckaufträge von der Visitenkarte bis zur Broschüre entworfen und gedruckt. Noch mehr Spaß hatte Radeck dann beim Ausprobieren des Brennpeters in der Werkstatt des Geschenkeladens. Holz sei sein Lieblingswerkstoff, verriet er.
„Der Schichtwechsel ist eine tolle Aktion, die ich gerne mitmache. Zum einen ist es wichtig, den Blick einmal zu schärfen für die wichtige Arbeit für die Integration von Menschen mit Behinderungen in den Arbeitsmarkt. Und außerdem werden hier wirklich richtig schöne, regionale Produkte hergestellt und Dienstleistungen angeboten, die es so im Landkreis kaum bis gar nicht gibt. Die Lebenshilfe Helmstedt-Wolfenbüttel verbindet hier soziale Arbeit mit einem super Angebot für Kundinnen und Kunden und das verdient einfach Beachtung“, lobt Radeck.
Neben der Kreativwerkstatt und dem Geschenkeladen und der Digitalisierung und Druckerei betreibt die Lebenshilfe an der Emmerstedter Straße auch noch eine Fahrradwerkstatt, in der kleinere Reparaturen und Servicearbeiten erledigt werden.
Geöffnet haben „die Emmer“ dienstags bis freitags von 09:00 bis 14:00Uhr, donnerstags sogar bis 18:00Uhr und jeden ersten Sonnabend im Monat von 09:00 bis 13:00Uhr.
Hintergrund „Schichtwechsel“
Im Rahmen des bundesweiten Aktionstages Schichtwechsel tauschten am 10. Oktober 2024 rund 4.200 Menschen, darunter mehr als 2.400 Werkstattbeschäftigte mit Behinderungen und rund 1.800 Mitarbeitende aus Unternehmen des allgemeinen Arbeitsmarktes, ihre Arbeitsplätze. Im persönlichen Austausch lernen sie neue Perspektiven auf das Thema Arbeit kennen und bauen gemeinsam Vorurteile ab.
Bundeskanzler Olaf Scholz lobt den Aktionstag als deutliches Zeichen für mehr Inklusion.
„Wir brauchen mehr Zusammenhalt in unserer Gesellschaft und mehr Inklusion. Dazu gehören gleiche Chancen für Menschen mit Behinderungen und das Recht auf ein selbstbestimmtes Leben. Und dazu gehört auch mehr Sichtbarkeit. Deshalb freue ich mich über den Aktionstag Schichtwechsel und danke allen daran Beteiligten für ihren Einsatz“, sagt Bundeskanzler Olaf Scholz.
Martin Berg, Vorstandsvorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft Werkstätten für behinderte Menschen (BAG WfbM), erklärt: „Bereits im vergangenen Jahr haben viele Menschen im Rahmen des bundesweiten Aktionstages Schichtwechsel ihre Arbeitsplätze getauscht. Wir freuen uns sehr, dass dieser Rekord nun noch einmal übertroffen wurde. Das ist ein wichtiges Signal für die Teilhabe von Menschen mit Behinderungen in Deutschland. Der Aktionstag trägt auch in diesem Jahr wieder dazu bei, über die Bedeutung der Werkstattleistung zu informieren und mit Klischees aufzuräumen“.
