Landrat Gerhard Radeck begrüßte Gauck an passendem Ort im Juleum Helmstedt, dem ehemaligen Universitätsgebäude. „Hier sind Debatten angestoßen und ausgetragen worden“, so Radeck, „genau das braucht es in Zeiten, in der die Demokratie unter Druck geraten ist.“
Und Joachim Gauck scheute sich nicht, Widerspruch zu riskieren. Mit klaren Worten mahnte der Altbundespräsident mit Blick auf den russischen Angriffskrieg: „Wir müssen unsere Demokratie, unseren Wohlstand und unsere Freiheit verteidigen. Zugucken und hoffen, dass Putin schon irgendwie netter wird, wenn wir auch nett zu ihm sind, wird nicht funktionieren.“
Seine Position leitete Gauck her aus der Geschichte der Entwicklung Russlands nach Ende des Kalten Krieges und der Wiedervereinigung.
Für ihn als ehemaligen Pastor und Christen sei in Bezug auf die Ukraine auch klar: „Es ist nicht christlich, wenn man dem Überfallenen nicht hilft.“ Nicht nur an dieser Stelle spendierte das Publikum Applaus.
In seinem 90minütigen Vortrag auf Basis seines Buches ging es Gauck aber nicht nur um die Bedrohung durch autoritäre Regimes, die Geschichte der Ostpolitik und um das Privileg frei wählen zu können, sondern auch um die Gefahren für die Demokratie im eigenen Land.
Der Altpräsident mahnte zu einem anderen Umgang mit der AfD: „Ängste dürfen irrational sein, man muss sie nicht unterstützen, aber man muss sie bearbeiten. Ignorieren hilft nicht. Wir brauchen Zuwanderung, ohne Zweifel. Aber an manchen Stellen hat uns Zuwanderung auch überfordert. Und wir dürfen auch sagen, dass wir manche eingewanderten Verhaltensweisen und Gepflogenheiten aus anderen Kulturen hier nicht wollen.“
Zum Abschluss plädierte der gebürtige Rostocker Gauck mit einem verschmitzten Lächeln leidenschaftlich dafür, das Wahlrecht nicht gering zu schätzen und es wahrzunehmen: „Sollten Sie einmal nicht wählen gehen, erscheine ich Ihnen im Traum!“
Dr. Matthias Meinhardt, Leiter der Museen des Landkreises Helmstedt, dem es mit der Abteilung Kultur gelungen war, Gauck als Redner für Helmstedt zu gewinnen, bedankte sich für den inspirierenden Abend: „Sie haben sich an alles gehalten, was mir in meinem Studium einmal als Richtschnur für einen gelungenen Vortrag mitgegeben wurde: Langweile nicht, formuliere einen klaren Standpunkt und begründe diesen mit guten Argumenten. Vielen Dank!“
Dem schloss sich das Publikum mit stehendem Applaus an.

