Geleitet wurde die Projektwoche von Prof. Dr. Juliane Tomann, die Public History in Regensburg lehrt, und von Justus Vesting, M.A., der als Referent für das Grüne Band am Institut für Landesgeschichte in Halle a. d. S. arbeitet. Eingeschrieben für Public History, Geschichtskultur oder Lehramtsstudiengänge, interessierten sich die Studierenden insbesondere für die Geschichte der deutschen Teilung im Raum Helmstedt und für den Erneuerungsprozess des Zonengrenzmuseums. Die dort 1992/93 entwickelte und im Frühjahr 1994 eröffnete Dauerausstellung ist nicht nur sichtlich physisch in die Jahre gekommen, sondern auch didaktisch-konzeptionell und präsentationstechnisch erneuerungsbedürftig. Auch nimmt sie wichtige Impulse der jüngeren zeithistorischen und museumskundlichen Forschung nicht auf. Seit 2024 laufen daher Bemühungen, die Ausstellung grundlegend zu überarbeiten und die räumlichen Möglichkeiten des Museums zu erweitern.
Diesen Erneuerungsprozess nicht nur im Austausch mit Expertinnen und Experten aus der Forschung und der Museumsszene zu gestalten, sondern auch mit dem Blick einer jungen Generation zu verbinden, sei ein sehr wichtiges Anliegen, betont Dr. Matthias Meinhardt, der die Museen und Sammlungen des Landkreises Helmstedt leitet:
„Die jungen Menschen aus Ost und West, die sich fast eine Woche sehr intensiv auf die Geschichte der deutschen Teilung in unserer Region eingelassen haben, sind die Geschichtsvermittler von morgen. Sie bringen andere Fragen und Anforderungen an ein Museum mit, die aus der Sicht derer formuliert werden, welche die deutsche Teilung und den Kalten Krieg nicht aus eigenem Erleben kennen. Sie setzen sich mit der Ausstellung in einer Welt auseinander, die sich seit der Wiedervereinigung vor mehr als 35 Jahren grundlegend verändert hat. Und sie stellen Anforderungen an die Präsentation und Medialität einer Ausstellung, die wir derzeit nicht bieten. Gegenwärtig arbeiten wir mit Objekten, Texten und Bildern, während beispielsweise filmische Elemente, Hörstationen oder interaktive Angebote noch ganz fehlen. Das ist so nicht mehr fortführbar. Das haben auch die Studierenden aus Halle und Regensburg noch einmal unterstrichen.“
Die Projektwoche begann am 26. Mai 2026 mit einer Führung durch das Zonengrenzmuseum am Südertor und den Wachwaggon am Lindenplatz von Robert Kollatz, der seit Februar das Museumsteam als Museologe verstärkt. Die Erkundung der Region wurde dann am folgenden Tag mit Exkursionen in die Gedenkstätte Deutsche Teilung Marienborn und zum Grenzdenkmal Hötensleben fortgesetzt. Beide Stationen erläuterte der Historiker und Gedenkstättenpädagoge Dr. Felix Ludwig. Am 28. und 29. Mai folgte intensive Gruppenarbeit im Großen Sitzungssaal der Helmstedter Kreisverwaltung. Hier ging es darum, die Erkundungen der vorangegangenen Tage auszuwerten und die Beobachtungen in konkrete Projekte zu überführen, die in den Erneuerungsprozess des Zonengrenzmuseums eingespeist werden können. Das Spektrum reicht hier von Maßnahmen, durch welche die soziale Reichweite des Museums erweitert und die Besucherfrequenz gesteigert werden können, über Konzepte für die Neugestaltung einzelner Themenbereiche bis hin zur Einbeziehung aktueller Auseinandersetzungen mit dem Thema Grenze. Entwickelt wurden Projekte, die in den kommenden Monaten fortgeführt und die Arbeit in Helmstedt bereichern werden.
Dr. Matthias Meinhardt und Robert Kollatz zeigten sich von den Zwischenergebnissen sehr beeindruckt und werden nicht nur die Zusammenarbeit mit den beiden Universitäten ausbauen, sondern auch durch weitere Kooperationspartner ergänzen. Gespräche mit Vertretern der TU Braunschweig und der Universität Göttingen laufen bereits.

