Ehemalige Universität Helmstedt
Eine Reformuniversität in Helmstedt
Nach seiner Thronbesteigung im Jahr 1568 setzte Herzog Julius von Braunschweig und Lüneburg die Reformation in seinem Fürstentum durch. Als Folge davon benötigte er evangelisch ausgebildete Theologen. Dies war neben wirtschaftlichen Erwägungen ein entscheidender Grund, eine eigene Universität einzurichten. 1576 wurde die nach dem Herzog „Academia Julia“ benannte Einrichtung mit Genehmigung des Kaisers im verkehrsgünstig an den überregionalen Handelsstraßen gelegenen Helmstedt eingerichtet.
Berühmte Professoren wurden von anderen Universitäten abgeworben und bald strömten zahlreiche Studenten an die neue Lehranstalt, die die vier Fakultäten: Philosophie, Medizin, Rechtswissenschaft und Theologie umfasste. Nach einer kurzen Schließung während des 30-jährigen Krieges erlebte die Academia Julia eine zweite Blüte, bevor mit der Gründung der Konkurrenzuniversitäten in Kiel, Halle und vor allem in Göttingen der unaufhaltsame Abstieg begann. Die Studentenzahlen sanken erheblich und in westphälischer Zeit entschied König Jérôme Bonaparte die Schließung der Universität. 1810 fanden in Helmstedt die letzten Vorlesungen statt.
Ein besonderer Schatz: die Universitätsgebäude aus der Spätrenaissance
Als mit wachsender Bekanntheit der Universität immer mehr Studenten nach Helmstedt strömten, entschied Herzog Heinrich Julius, einen repräsentativen Neubau als Haupthalle errichten zu lassen. Nach fünfjähriger Bauzeit war das vom herzoglichen Baumeister Paul Francke im Stil der Spätrenaissance errichtete Gebäude 1597 fertig gestellt. Den Figurenschmuck gestaltete Jakob Meierheine. Das Gebäude war ursprünglich durch übermannshohe Mauern mit den Seitenflügeln verbunden. Es handelt sich um das älteste Universitätsgebäude Niedersachsens.
Das nach dem Universitätsgründer benannte „Juleum“ beherbergte im Erdgeschoss die Aula sowie die erste Universitätsbibliothek, einen Wein- und Bierkeller und im Obergeschoss Hörsäle, die später in eine weitere Universitätsbibliothek umgebaut wurden.
Die oberen Stockwerke sind durch einen dezentral vor dem Baukörper stehenden Treppenturm erschlossen. Das Portal ist mit dem Wappen des herzoglichen Bauherrn geschmückt und wird von antiken Kriegerfiguren geschützt.
Das Aulaportal zieren das Universitätswappen „Simson mit dem Löwen“ sowie Allegorien der Philosophischen Fakultät. Auf dem Dach befinden sich Allegorien der Theologie, Medizin und Jurisprudenz sowie eine symbolische Darstellung von Glaube und Hoffnung.
Die Aula nimmt den größten Teil des Erdgeschosses ein. Hier fanden die großen Vorlesungen statt, aber auch Universitätsfeiern wie Promotionen oder Universitätsjubiläen.
Die Wände sind mit Herzogsportraits geschmückt.
Die Farbgebung des Gebäudes geht auf eine Restaurierung des 20. Jahrhunderts zurück. Über die originale Farbe herrscht keine Einigkeit.
Heute werden in der Aula Konzerte und Vorträge durchgeführt, im Obergeschoss befindet sich die ehemalige Universitätsbibliothek und im Untergeschoss das Kreis- und Universitätsmuseum Helmstedt.
mit Figurenschmuck von Jakob Meierheine: Wappen der Universität und des Bauherrn Herzog Heinrich Julius, antike Krieger sowie fünf der sieben „Freien Künste“. © Landkreis Helmstedt1228 KB - 3264x2294
