Ein Schottergarten – keine gute Idee für den Vorgarten!
Ein Schottergarten ist eine Gartenfläche, die großflächig mit Steinen bedeckt ist. Charakteristisch ist, dass die Steine das hauptsächliche Gestaltungsmittel des Bereiches sind. Pflanzen kommen in Schottergärten gar nicht oder nur in geringer Stückzahl vor.
Schottergärten sind häufig mit gebrochenen Steinen mit scharfen Kanten und ohne Rundungen versehen (Schotter); aber auch Geröll, Kies oder Splitt werden häufig verwendet.
Der Begriff „Schottergarten“ dient der Abgrenzung von klassischen Stein- oder Kiesgärten, bei deren Gestaltung die Vegetation im Vordergrund steht und die Fläche mit Steinen in Verbindung mit z.B. trockenheitsverträglichen Gräsern und Stauden gestaltet wird.
Was steckt dahinter?
Schottergärten werden oft in dem Bestreben angelegt, eine als ordentlich empfundene Gartenfläche zu erhalten. Es wird eine weitgehende Wartungs- und Pflegefreiheit erwartet. Schottergärten unterscheiden sich damit von:
- Kies- und Steingärten: Steine dienen als Substrat für alpine oder trockenheitsliebende Vegetation, sowie zur Bodenabmagerung
- Trockengärten: Die Gartengestaltung ist an trockene Klimate angepasst, künstliche Bewässerung soll vermieden werden.
- Kare-san-sui-Gärten („Zen-Gärten“) nach japanischem Vorbild: Ausgedehnte, zu wellenförmigen Mustern geharkte Kiesflächen, bei denen das bearbeiten und betrachten der Meditation dient
- mit Steinen oder Ziegelbruch verfüllten Broderien
Bei diesen Gartengestaltungen spielen auch Pflanzen oder kulturelle Hintergründe eine zentrale Rolle; Erstellung und Pflege sind mit z. T. erheblichem Aufwand verbunden. Da Pflanzenwuchs bei Schottergärten nur eine untergeordnete bis keine Rolle spielt, ist strittig, ob die so gestalteten Flächen überhaupt als Gärten einzustufen sind.
Dies wirft die Frage auf, ob Zen-Gärten erlaubt sind, sog. Schottergärten aber nicht? Wer legt fest, dass Schottergärten keinen kulturellen Hintergrund haben? Sowohl das Rechen dieser Felsengärten durch Zen-Mönche als auch die Betrachtung der Kare-san-sui gilt im Zen-Buddhismus als Teil der Meditation. So können auch mit Kies, Split und Sand gestaltete Flächen durchaus liebevoll und ästhetisch anmuten und für den Grundstückseigentümer durchaus die genannte meditative Bedeutung haben. In diesen Fällen liegt jedoch eine andere, mit dem Wohnen einhergehende zulässige Nutzung vor, die keine zwingende Anlage von Grünflächen bewirkt (Dazu in der rechtlichen Würdigung weiter unten mehr.)
Extrem negatives Beispiel einer Gestaltung (Quelle: Landkreis Gifhorn)© Landkreis Gifhorn
Auswirkungen eines Schottergartens auf das eigene Grundstück und die Umgebung
- Schottergärten beheimaten nur wenige, ausgewählte Pflanzen, bieten Tieren keine Verstecke und Insekten keine Nahrung. Dagegen können auch Flächen mit mehr als 50 % Mineralanteil, die mit insekten- und insbesondere bienenfreundlichen Pflanzen bestückt sind, einen höheren biologischen Nutzen haben als z.B. Scherrasenflächen.
Da die Verdunstungskälte durch die Transpiration der Pflanzen fehlt, heizen sie sich mineralische Flächen im Sommer so stark auf, dass unbelebte Zonen, entstehen. - Während helle Schotterflächen sich weniger stark aufheizen, reflektieren sie tagsüber Sonnenlicht, was zur Erhitzung der anliegenden Gebäude führt und in reduziertem Wohnkomfort resultiert.
- Schotterflächen können – anders als begrünte Flächen – Regenwasser nur in geringem Maße speichern. Insbesondere wenn der Boden unter der Schotterfläche verdichtet und undurchlässig ist, kann dies bei Starkregenereignissen zum oberflächlichen Abfluss des Wassers führen. Dies kann Überflutungen Vorschub leisten.
- Fehlende Pflanzen führen zu einer erhöhten Feinstaubbelastung: Ein Schottergarten ohne entsprechende Bepflanzung hat keine Filterfunktion, sorgt also indirekt für schlechte Luftqualität.
- Schottergärten gelten baurechtlich als versiegelte Fläche und werden bei der Berechnung der Grundflächenzahl voll angerechnet. Diese Flächen stehen dann nicht mehr für die Bebauung z.B. mit Terrassen und Gartenhäusern auf Ihrem Grundstück zur Verfügung. Auch wenn dies nicht sofort auffällt, spätestens bei einer Überprüfung im Rahmen eines Baugenehmigungsverfahrens werden die Defizite offensichtlich.
- häufig wird nach einigen Jahren mit Pestiziden gegen dennoch wachsendes Grün vorgegangen,
- Auch wenn Rasenflächen nicht zu den üppigsten Lebensräumen zählen, können im Vergleich dazu Schottergärten die Artenvielfalt insbesondere in der belebten Bodenzone weiter reduzieren.
Die baurechtliche Situation
9 Abs. 2 der Niedersächsischen Bauordnung (NBauO) schreibt vor, dass nicht überbaute Flächen von Baugrundstücken Grünflächen sein müssen, soweit sie nicht für eine andere zulässige Nutzung erforderlich sind.
Die Bauaufsichtsbehörden sind daher gemäß §§ 58 und 79 NBauO ermächtigt, die Beseitigung der Schotterflächen per Bescheid anzuordnen und bei Nichtbefolgen Zwangsgelder festzusetzen
(dies wurde so auch vom Oberverwaltungsgericht Lüneburg in seinem Beschluss vom 17.01.2023 bestätigt). Dabei handeln sie nach pflichtgemäßem Ermessen.
Alternativen
Ein begrünter Vorgarten muss nicht viel Arbeit machen:
Achten Sie auf heimische Gehölze wie Holunder, Vogelbeere und Weißdorn. Sie bieten Vögeln und Insekten Nahrung und Unterschlupf. Blumenwiesen aus heimischen Wildblumen- und Kräuterarten brauchen im Gegensatz zu Rasenflächen nur ein- bis zweimal im Jahr gemäht werden. Auch Steingärten sind nicht grundsätzlich verboten. Ohne Folie und mit Mauerpfeffer, Hauswurz und Ähnlichem bewachsen bieten sie Lebensraum für Spinnen und Eidechsen. Stauden und Zwiebelpflanzen sorgen über Monate für eine blühende Vielfalt im Vorgarten.
Was kann man tun, wenn der Schottergarten umgestaltet werden soll?
Eine praktikable Lösung ist mineralischer Mulch.
Eine gewünschte modern-ästhetische Aufwertung der Pflanzung, insbesondere im noch lückenhaften Anpflanzstadium oder bei späteren Ausfällen, kann durch mineralischen Mulch aus regionaltypischen Gesteinen erreicht werden. Farbliche Abstimmung zu Wegebelägen und Gebäuden ist damit möglich. Dazu passende Pflanzen schaffen ein Vegetationsbild von Schotterfluren oder Felssteppen. Eine mineralische Mulchung ermöglicht es, Zeitabschnitten Stauden zuzuordnen, ohne dass nach ihrem jahreszeitlichen Rückzug unattraktive Löcher entstehen. Hier erfolgt die Abgrenzung zum Schottergarten über den Grad und die Art der Bepflanzung.
Abbildungen und Textauszüge wurden freundlicherweise von der Abteilung Bauordnung und Ortsplanung des Fachbereichs Bauwesen des Landkreises Gifhorn zur Verfügung gestellt. Dafür ganz herzlichen Dank.© Landkreis Gifhorn
